Tag der Erwachsenenbildung 2026

Tag der Erwachsenenbildung 2026 an der JGU Mainz setzt starke Impulse zum Thema „Zeit für Erwachsenenbildung“

Mit knapp 70 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Weiterbildungspraxis, Bildungsmanagement und Studium wurde der „Tag der Erwachsenenbildung 2026“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zu einem inspirierenden Forum für Austausch, Vernetzung und kritische Reflexion. Unter dem Titel „Zeit für Erwachsenenbildung“ lud das Team Erwachsenen- und Weiterbildung am Institut für Erziehungswissenschaft dazu ein, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus einer zeitbezogenen Perspektive zu diskutieren – und traf damit einen Nerv der Zeit.

In einer Gesellschaft, die von Beschleunigung, permanenter Erreichbarkeit und zunehmendem Effizienzdruck geprägt ist, rückte die Tagung die Frage in den Mittelpunkt, welche Bedeutung Zeit für Lernen, Bildung und pädagogisches Handeln im Erwachsenenalter hat. Die Veranstaltung verband dabei wissenschaftliche Perspektiven mit praktischen Erfahrungen aus der Erwachsenen- und Weiterbildung und bot zahlreiche Gelegenheiten zum intensiven Austausch.

Bereits die Keynote von Prof.in Dr. Sabine Schmidt-Lauff (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) eröffnete den Teilnehmenden eindrucksvoll neue Perspektiven auf das Verhältnis von Zeit, Bildung und Lernen. Unter dem Titel „Zeit für Bildung – Bildung in der Zeit: Über die (un)heimliche Macht der Temporalität im Erwachsenenalter“ zeigte sie auf, wie sehr pädagogische Prozesse von gesellschaftlichen Zeitstrukturen geprägt werden. Zwischen Beschleunigung, digitaler Fragmentierung und dem Wunsch nach nachhaltigen Lernprozessen plädierte Schmidt-Lauff dafür, Erwachsenenbildung als Ort zu verstehen, an dem Lernen nicht nur funktional organisiert, sondern bewusst erlebt werden kann. Die Keynote stieß auf große Resonanz und bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für die anschließenden Diskussionen.

Im weiteren Verlauf der Tagung konnten die Teilnehmenden aus sechs thematisch vielfältigen Arbeitsgruppen wählen, die unterschiedliche Facetten des Tagungsthemas aufgriffen und praxisnah vertieften.

So beschäftigte sich Prof.in Dr. Julia Koller (JGU Mainz) in ihrer Arbeitsgruppe mit der Frage, wie Innovationen neue Zeitlogiken in der Erwachsenenbildung hervorbringen und wie pädagogische Organisationen mit Beschleunigung und Unsicherheit umgehen.

Christian Rausch als Leiter der vhs Mainz lud in seiner Arbeitsgruppe zu einer kritischen Diskussion gesellschaftlicher Zeitdiagnosen ein und fragte danach, wie Erwachsenenbildung auf Transformationsprozesse reagieren kann.

Ein besonders praxisnaher Fokus lag auf dem Thema Bildungszeit: Dr.in Julia Dittrich vom Verband der Volkshochschulen Rheinland-Pfalz stellte gesetzliche Rahmenbedingungen und aktuelle Entwicklungen vor und diskutierte gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie Bildungszeit als strategisches Instrument für berufliche und persönliche Entwicklung genutzt werden kann.

Zudem zeigte Swetlana Dominnik-Bindi vom Verband der Volkshochschulen Thüringen anhand konkreter Projektbeispiele auf, wie Weiterbildung neu gedacht werden kann, wenn Zeitknappheit für viele Menschen zur zentralen Herausforderung wird – und wie Freude am Lernen trotz verdichteter Alltage erhalten bleiben kann.

Auch Fragen von Führung und organisationalem Wandel spielten eine wichtige Rolle. So gewährte Bettina Brendel von der Deutschen Bahn AG spannende Einblicke in operative Führungsrealitäten und diskutierte mit den Teilnehmenden, wie unter hohem Zeit- und Sicherheitsdruck dennoch „mehr Zeit für Führung“ geschaffen werden kann.

Mit dem Thema Zeitgerechtigkeit rückte Dr. Gregory Mohr (LEB Rheinland-Pfalz) soziale Ungleichheiten in den Fokus: Wer verfügt überhaupt über ausreichende Zeitressourcen für Bildung? Und wie können Bildungsangebote so gestaltet werden, dass sie gesellschaftliche Teilhabe stärken, statt Ausschlüsse zu reproduzieren? Der Workshop machte deutlich, dass Zeit immer auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit ist.

Neben den fachlichen Impulsen wurde insbesondere die offene und kollegiale Atmosphäre der Tagung von den Teilnehmenden hervorgehoben. Viele nutzten die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, bestehende Kooperationen zu vertiefen und aktuelle Herausforderungen der Erwachsenenbildung gemeinsam zu reflektieren. Der Tag der Erwachsenenbildung bestätigte damit erneut seine Funktion als lebendige Plattform zwischen Forschung, Praxis und bildungspolitischem Diskurs.

 

Prof. Dr. Sebastian Lerch zog am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit: „Die intensive Beteiligung und die vielfältigen Diskussionen haben gezeigt, wie relevant das Thema Zeit für die Erwachsenenbildung heute ist. Die Tagung hat wichtige Impulse gegeben – fachlich, institutionell und persönlich.“

Mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Zeit für Erwachsenenbildung“ knüpfte die Netzwerktagung erfolgreich an die vorherigen Veranstaltungen der Reihe an und unterstrich einmal mehr die Bedeutung von Austausch und gemeinsamer Reflexion für die Zukunft der Erwachsenen- und Weiterbildung.

Weitere Informationen zur Tagungsreihe und Dokumentationen vergangener Veranstaltungen finden sich unter https://eb.uni-mainz.de/.