Vorträge & Arbeitsgruppen

Alte Mensa – Linke Aula

 

Keynote: „Zeit für Bildung – Bildung in der Zeit: Über die (un)heimliche Macht der Temporalität im Erwachsenenalter“

Prof.in Dr. Sabine Schmidt-Lauff, HSU Hamburg

Kurzbeschreibung:

Wir leben in einer Gesellschaft, die von einer hohen Zeitsensibilität geprägt ist. Doch was bedeutet das konkret für die Erwachsenen- und Weiterbildung und das Lernen im Erwachsenenalter? Um dem komplexen Wechselspiel zwischen Zeit, Bildung und Lernen (über die Lebensspanne) näher zu kommen, möchte ich in dem Vortrag zeigen, wie pädagogische Prozesse sich aus vielfältigen Zeiterfahrungen konstituieren. Im Fokus steht das Spannungsfeld zwischen zeitlicher Verdichtung gesellschaftlicher Abläufe und der Notwendigkeit zeitlicher Offenheit für freudvolle, nachhaltige Lernprozesse. Der Vortrag thematisiert vielfältige Paradoxien einer beschleunigten Wissensgesellschaft und Weiterbildung als Lebensqualität – es geht um machtvolle Einflüsse auf Bildungs- und Lernzeit unter Bedingungen von Effizienzlogiken, digitaler Fragmentierung, sozial ungleich verteilten Zeitressourcen und anderem mehr. Ausgehend von Konzepten wie temporaler Indexikalität, Rhythmen und Synchronisation wird sichtbar, dass Lernen weit mehr ist als ein zeitlich begrenztes Ereignis: Es entsteht im Ineinander von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Vortrag lädt dazu ein, Erwachsenenbildung als Ort zu verstehen, in dem Zeit nicht nur verbraucht, sondern als vielfältige Bildungs-, Gemeinschafts- und Entwicklungszeit erfahrbar wird – als Momente zeitlicher Lebensqualität.


 

Georg-Forster-Gebäude, 2. Stock

 

AG 1: Innovation & Zeit für Erwachsenenbildung

Prof.in Dr. Julia Koller, JGU Mainz

Innovationen bringen in der Erwachsenenbildung neue Anforderungen, neue Formate – und spezifische Zeitverhältnisse hervor. Der Vortrag nimmt eine zeitdiagnostische Perspektive ein und fragt, wie Erwachsenenbildung mit Beschleunigung, Projektförmigkeit und Unsicherheit im Innovationsdiskurs umgeht. Ausgehend von einem sozialwissenschaftlichen Innovationsverständnis wird argumentiert, dass Erwachsenenbildung Innovationen nicht primär implementiert, sondern pädagogisch bearbeitet: in Organisationen, in professionellen Handlungspraxen und in der Gestaltung von Lernarrangements. Zeit erscheint dabei nicht nur als knappe Ressource, sondern als zentrales Medium pädagogischer Aushandlung. Der Beitrag ist dialogisch angelegt und eröffnet Raum für gemeinsame Reflexionen zu zeitlichen Erfahrungen im Innovationsalltag der Erwachsenenbildung.


 

AG 2: Zeitdiagnosen in der Erwachsenenbildung

Christian Rausch, vhs Mainz

Erwachsenenbildung steht in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen, kulturellen und technologischen Entwicklungen. Begriffe wie Beschleunigung, Digitalisierung, Transformation, Ökonomisierung, Individualisierung oder Lebenslanges Lernen prägen unser Handeln, sie bieten Deutungen unserer Gegenwart und beeinflussen Theorie, Praxis und Selbstverständnis der Erwachsenenbildung. Also: In welchen Zeiten leben wir eigentlich? Welche Bedeutungen haben Zeitdiagnosen in der Erwachsenenbildung? Und welche gesellschaftlichen Dynamiken prägen das Lernen Erwachsener? Wie muss eine Erwachsenenbildung, die zugleich sozialstaatlich, zivilgesellschaftlich, marktnah und kulturell ist, in der Praxis darauf reagieren? Die Arbeitsgruppe bietet Gelegenheit, darüber ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.


 

AG 3: Bildungszeit – Erwachsenenbildung zwischen Freizeit und Beruf

Jo Julia Dittrich, Verband vhs RLP

In diesem interaktiven Kurzworkshop vermitteln die Referentinnen Einblicke in die aktuelle Gesetzeslage, relevante Neuerungen sowie zentrale Studien zur Bildungszeit. Gemeinsam wird erörtert, wie der gesetzliche Anspruch auf Freistellung von der Arbeit für anerkannte Weiterbildungen wirksam genutzt und im Kontext individueller wie beruflicher Entwicklungsprozesse eingeordnet werden kann. Kann Bildungszeit nicht nur ein arbeitsrechtliches Instrument, sondern ein strategischer Baustein für persönliche und professionelle Weiterbildung sein?


 

AG 4: Zeit für Führung

Bettina Brendel, Bahn AG

„Mehr Zeit für Führung“ – wie kann das in einem Aufgabengebiet möglich werden, in dem operative Hektik und eine ausgeprägte Sicherheitskultur den beruflichen Alltag der Führungskräfte bestimmen. In dem Workshop tauchen wir tief in einen operativen Bereich der Bahn ein. Durch gute Fragen werden Sie sich den täglichen Herausforderungen dieser operativen Führungskräfte nähern und gemeinsam überlegen, mit welchen Interventionen der Change in diesem Bereich unterstützt werden könnte und letztlich auch würde.


 

AG 5: Zeitgerechtigkeit

Gregory Mohr LEB, RLP

Zeit ist eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe an Bildung – und gleichzeitig ungleich verteilt. Während einige Menschen über Bildungszeiten frei verfügen können, ringen andere mit übervollen Tagesplänen, unsicheren Arbeitsverhältnissen oder Care-Verpflichtungen. Der Workshop fragt nach den zeitlichen Rahmenbedingungen für Lernen im Erwachsenenalter: Wer kann sich Bildungszeit leisten, wer nicht? Und was bedeutet das für die Praxis der Erwachsenenbildung? Gemeinsam werden Ansätze diskutiert, wie Bildungsangebote zeitlich gerechter gestaltet und strukturelle Ausschlüsse reduziert werden können – zwischen Flexibilisierung, institutionellen Rahmenbedingungen und didaktischen Spielräumen.


 

AG 6: Keine Zeit für Weiterbildung? Aber Lernen braucht Zeit!

Svetlana Dominik-Bindi, Verband vhs Thüringen

Bildungsprozesse brauchen Zeit, um gelingen zu können. Gleichzeitig werden Weiterbildungsangebote kürzer und zeitlich länger angelegte Formate weniger in Anspruch genommen, da Teilnehmende zunehmend mit Zeitmangel zu kämpfen haben. – Wie kann man die Komplexität des Zeitmangels berücksichtigen und ein Weiterbildungsangebot anders denken und gestalten, um Zeit als Ressource zu gewinnen und Freude am Lernen wiederzuentdecken? Das erfahren die Teilnehmenden des Workshops an einem Praxisbeispiel aus der Projektarbeit des vhs-Landesverbandes Thüringen im Start-Chancen-Programm.